Stockholm //-->
Neues von der Korrespondenz

 

 Wer das Städtchen Heidelberg ein wenig kennt, wird wissen, dass es dort nahezu ständig eine große (studentische) Wohnungsnot gibt. Siehe auch: http://www.uni-heidelberg.de/presse/news06/2609zimm2.html

 Dass diese Wohnungsnot allerdings älter ist als, sagen wir, 50 Jahre, das kann man nur herausfinden, wenn man sich der herrlichen Lektüre der Korrespondenz zwischen "Stud. rer. nat. Beumer" und "Frl. Carola Trenkamp" hingibt:

Fräulein Beumer schreibt aus Heidelberg an Fräulein Carola Trenkamp am

6.1.43

„Die Wohnungsfrage scheint hier in H’berg ein sehr schwer zu lösendes Problem dazustellen. Ich bin in der glücklichen Lage, ein Einzelzimmer zu haben, zwar kein feudaler Raum mit allem Comfort, sondern nur ein ganz kleines Mansardenzimmer mit dem allernotwendigsten Mobiliar. Das beste Stück darin ist wohl der Ofen.“

 

Sie wohnte damals übrigens bei Frau Walder in der Rohrbacherstr. 34.

 

Fräulein Carola hingegen scheint auch im Krieg den Ernst der Situation nicht recht erkannt zu haben, denn sie schreibt einundzwanzigjährig an ihren Vetter Werner:

 

Fräulein Trenkamp schreibt an Herr Uffz. Werner Zerhusen am 24.8.43

„Ich bitte dich 100000 Mal, mir doch von Norwegen (oder wo Du sonst liegen magst) 1 Paar Stiefel Gr. 40 zu schicken, mit ganz flachem Absatz, wie Deine „werte Frau Gemahlin“...Stecke diesen Brief in deine Brieftasche, damit er Dir bei jeder Gelegenheit in die Finger fällt, sonst vergisst Du meinen Riesenwunsch womöglich noch. Bis Weihnachten wirst du ihn doch hoffentlich erfüllen können. Herzliche Grüße und alles Gute. Denke an die Stiefel für Deine „Vetterine“...“

Die Reichsführung unter Herrn Hitler scheint den Ernst der Lage aber auf ganz eigene Art vermitteln zu wollen: Auf den leeren, normalen Postkarten sind Vordrucke:

 

 

Gertrude Niemann an Carola Trenkamp 15.9.43

Auf der Karte ist vorgedruckt

„Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge. Wir wollen ihm den Teil abnehmen, den wir ihm abnehmen können“.

7.4.43 an Edmund Trenkamp

Vorgedruckt ist

„Der Luftschutz braucht dringend den Fernsprecher nach Luftangriffen. Darum führe Du dann keine Privatgespräche!“

Außerdem werden die Karten alle mit dem Poststempel und einem Stempel "Kampf dem Kartoffelkäfer!" versehen...

 

 

 

 

12.3.08 21:45
 


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